Mein 1. Rösterlebnis!

Laufende Kontrolle des Röstvorgangs mit allen Sinnen

Es fühlt sich ein bisschen an wie der erste Schultag, ein wenig Nervosität gepaart mit einer großen Schultüte voll Vorfreude, als ich erfahre, dass ich das erste Mal beim Kaffeerösten dabei sein darf. Werde ich alles richtig machen? Welche Dinge gibt es zu beachten? Aber vor allem: Wie wird das Ergebnis?

Ehrfürchtig betrete ich den „Röstraum““ – gleichzeitig Deutschlands kleinste Kaffeerösterei mit gerade mal 11qm – völlig ausreichend, um alles zu lagern, was es für die perfekte Röstung braucht: Die großen Kaffeesäcke mit den ungerösteten Kaffeebohnen aus exotischen Ländern wie Tanzania oder Indien, die stylischen Kaffee-Eimer, der Platz zum Abwiegen, Verpacken und Etikettieren und natürlich dem Hauptakteur: Der Kaffeeröster! Ein Probenröster für kleinere Mengen von bis zu 2kg Kaffeebohnen.

Bevor es losgehen kann drehen wir das Gas auf, schalten den Röster an und „feuern an“ mit ca. 20bar – der Röster erhitzt sich jetzt innerhalb von 10-20 Minuten auf die gewünschte Temperatur von ca. 170 C°. Wir entleeren außerdem den Zyklonbehälter: Hier sammelt sich wie bei der Erdnuss die dünne Haut der Kaffeebohne, die sich durch das Rösten ablöst. Wo wir gerade dabei sind: Auch Erdnüsse lassen sich in dem Röster wunderbar behandeln, das nächste Thai Curry wird damit sicher ganz besonders gut.

Aber zurück zur Bohne: Ich schwelge in Erinnerung an meine Indo-Reise, denn heute dreht sich alles um die Röstung einer Kaffeesorte aus Java. Schon beim Abwiegen der noch ungerösteten Bohnen lerne ich: Man muss immer einen Einbrand von bis zu 20% beim Röstvorgang berechnen, der mit dem Gewichtsverlust durch Wasser einhergeht.  Wie bei einem großen Schiff, das ein Wendemanöver einlegt, muss man außerdem bei der gewünschten Rösttemperatur vor der 1. Röstung feinfühlig sein: Wir schalten das Feuer nochmal kurz aus und schalten es wieder ein, damit sich die Temperatur bei 170°C einpendeln kann. Die rohen Bohnen kommen jetzt in den Hopper (das ist der Trichter, der direkt in die Rösttrommel führt), Timer an und rein damit in die Rösttrommel. Wir peilen ca. 12 Minuten an, das kann aber durch den Einfluss von vielen Faktoren variieren und hier macht sich die jahrelange Erfahrung eines Röstmeisters bezahlt. Stark abhängig von der Menge und Ursprung der Bohnen, Raumtemperatur, Hitzeentwicklung, Gaszufuhr.

Unschlüssig stehe ich jetzt vor dem Röster. Und wie geht es weiter? Wie erkenne ich, ob meine Bohne perfekt ist? Jetzt kommt der spannende Part, wir müssen alle Sinne einsetzen: Wir riechen, sehen, fühlen, hören und schmecken. Und jetzt geht vor allem alles ganz schnell, jede Sekunde, die die Bohne zu lang im Röster ist, kann schon eine zu lang sein. Bei ca. 170°C höre ich ein leises Knistern, der sogenannte First Crack zeigt mir, dass die Bohnen gerade aufbrechen. Sie gewinnen jetzt zusehends an Farbe und Größe, bekommen eine glatte Oberfläche. Der perfekte Zeitpunkt für die perfekt geröstete Kaffeebohne. Kühlung an und raus mit den Bohnen für ca. 5 Minuten in die rotierende Kühlschale. Ich bin überglücklich, die Bohnen sehen großartig aus. Am liebsten würde ich mir sofort einen Kaffee aufgießen, muss mich aber noch 24h gedulden. So lange sollten die Bohnen noch „ausgasen“. Wir haben dafür die Kaffee-Eimer bereitgestellt, die dank dem Ventil im Deckel dafür sorgen, dass unsere Bohnen atmen können, und das Aroma trotzdem erhalten bleibt. Na, da stehe ich doch morgen gerne früh auf.

…und nächstes Mal reise ich beim Rösten nach Indien – diese Kaffeebohne erzählt eine besonders spannende Geschichte. Lesen Sie bald mehr dazu, hier in unserem Röstmeister Blog!

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